Wir wissen schon lange, dass die Art der Mitarbeiterführung einen enormen Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden hat, dennoch werden die folgenden 5 Fehler in vielen Unternehmen auch heute noch gemacht. Dies hat zur Folge, dass sich die emotionale Mitarbeiterbindung Jahr für Jahr verschlechtert. Genaue Zahlen dazu veröffentlicht das Beratungsunternehmen Gallup jedes Jahr in ihrem Engagement Index. Der Index basiert auf der Befragung von rund 1.000 Beschäftigten verschiedener Branchen und hat 2020 gezeigt, dass unglaubliche 83% der Befragten wenig bis gar keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen haben.

Damit du als angehende oder bereits erfahrene Führungskraft diesem Trend entgegenwirken und deine Mitarbeitenden emotional an das Unternehmen binden kannst, teile ich in diesem Artikel 5 Fehler bei der Mitarbeiterführung mit dir, die du unbedingt vermeiden solltest.

Fehler Nr. 1: Die Macht und Wirkung der Kommunikation unterschätzen

Eine klare und transparente Kommunikation ist einer der wichtigsten Aspekte einer erfolgreichen Führung. Spätestens seit Paul Watzlawick wissen wir, du kannst nicht nicht kommunizieren. Das bedeutet, dass du auch durch die Abwesenheit von Kommunikation etwas vermittelst und meist ist dies nicht gerade positiv. Wenn du dich ständig passiv verhältst, wirkst du unglaubwürdig und durchsetzungsschwach. Daher ist es umso wichtiger auf eine aktive und gute Kommunikation zu achten.

Eine gute Kommunikation berücksichtigt die folgenden Dinge:

  1. Aktives Zuhören: Schenke deinem Gegenüber deine volle Aufmerksamkeit und mache dir Notizen. Weiter kannst du durch die Wiederholung bestimmter Schlagwörter signalisieren, dass du dein Gegenüber verstanden hast.
  2. Gezielte Sprache: Formuliere deine Anliegen positiv und vermeide schwammige Begriffe wie: „vielleicht, würde, könnte, hätte“. Klare Aussagen und verständliche Anweisungen beugen Missverständnissen vor.
  3. Konstruktive Kritik: Achte bei Kritikgesprächen darauf, „Ich-Botschaften“ zu verwenden, wertschätzend zu sein und klar zu kommunizieren, was dein Gegenüber zukünftig besser machen kann.

Fehler Nr. 2: Auf Zielvereinbarungen und einen regelmäßigen Austausch verzichten

Viele Firmen arbeiten auch heute noch ohne konkrete Zielvereinbarungen, was dazu führt, dass ihre Mitarbeitenden oft nicht genau wissen, worauf sie hinarbeiten. Ohne Ziele zu arbeiten ist ungefähr wie Dart spielen ohne Zielscheibe. Du wirfst deine Pfeile wahllos durch die Gegend und weißt nie, ob ein Wurf gut oder schlecht war.

Mit Zielvereinbarungen zu arbeiten wird deine Mitarbeitenden dabei unterstützen genau zu wissen, worauf sie sich ausrichten sollten, um ihr Ziel möglichst effizient zu erreichen. So haben sie die Möglichkeit, sich auf diesem Weg zu entwickeln und zu verbessern. Dabei geht es gar nicht darum, immer das Bullseye zu treffen und jedes Ziel zu 100 % zu erreichen. Es geht vielmehr darum, eine konkrete Richtung und Orientierung zu haben. Denn nur dann können deine Mitarbeitenden auch selbst abschätzen, welche Schritte unternommen werden müssen.

Des Weiteren helfen Ziele deinen Mitarbeitenden, ihre eigene Kompetenz besser einschätzen zu lernen, indem sie überprüfen können, ob und wie sie ihre festgelegten Ziele erreichen.

Konkret bedeutet das für dich:

  1. Führe regelmäßig Mitarbeitergespräche: Je nach Größe und Art des Unternehmens sollte mindestens einmal im Jahr ein gemeinsames Gespräch stattfinden. Innerhalb dieses Gespräches kannst du deine Erwartungen klar formulieren und dein Gegenüber um eine Selbsteinschätzung der Leistungen bitten.
  2. Treffe Zielvereinbarungen: Die gemeinsamen Zielvereinbarungen sollten „smart“ formuliert werden: spezifisch, messbar, aktiv beeinflussbar, realistisch und terminiert. Wenn ihr an größeren Projekten arbeitet bietet es sich an, immer wieder kleinere Teilziele zu vereinbaren und diese häufiger zu besprechen.

Fehler Nr. 3: Nach dem Motto führen: „Nicht geschimpft ist genug gelobt.“

Dieses überregional bekannte Sprichwort aus dem Schwabenland besagt, dass es schon Wertschätzung genug ist, wenn die Mitarbeitenden keinen „Ärger“ bekommen. Diese Ansicht ist mittlerweile natürlich sehr veraltet, denn heute wissen wir längst, dass Menschen von Lob, Anerkennung und Wertschätzung angetrieben werden. Bei der Art und Weise der gewünschten Anerkennung sind jedoch nicht alle Mitarbeitenden gleich. Die eine freut sich extrem über eine Gehaltserhöhung, während für den anderen ein zusätzlicher freier Tag viel wertvoller ist. Und wieder andere freuen sich am meisten darüber, gesehen zu werden und ein ehrlich gemeintes Lob zu erhalten.

Du solltest beim Loben, Anerkennen und Wertschätzen daher folgendes beachten:

  1. Das Lob und die Anerkennung sollten unbedingt ernstgemeint und individuell sein.
  2. Von Herzen kommende Wertschätzung kann gar nicht zu viel sein.
  3. Eine aufmerksame Wahrnehmung der Stimmung und der Bedürfnisse deiner Mitarbeitenden sorgt für ein angenehmes Arbeitsklima, denn dadurch fühlen sie sich gesehen.

Fehler Nr. 4: Du misstraust deinen Mitarbeitenden und probierst alles zu kontrollieren

Vielleicht hast du diesen Satz ja auch schon einmal von deinen Eltern oder Großeltern gehört: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Aus meiner Sicht sollte es genau andersherum lauten. Natürlich ist es an manchen Stellen wichtig, Dinge und Zielvereinbarungen zu kontrollieren. Generell gilt jedoch, dass Menschen bessere Arbeitsleistungen erbringen und emotional mehr beteiligt sind, je mehr Vertrauen ihnen entgegengebracht wird. Dabei geht es sowohl um das Vertrauen in ihre Rechtschaffenheit und Loyalität, als auch in ihre Fachkompetenz.

Vor allem in unseren schnelllebigen Zeiten sind immer mehr Teamarbeit, autonome Arbeitsgruppen und eine individuelle Entscheidungsfindung gefragt. So bleibt das Unternehmen agil und die Mitarbeitenden können sich entfalten.

Um eine agile und sichere Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten, kannst du folgendes beachten:

  1. Schenke deinen Mitarbeitenden einen Vertrauensvorschuss und räume ihnen angemessene Handlungs- und Entscheidungsräume ein.
  2. Fokussiere Dich mehr auf ergebnisorientiertes Arbeiten anstatt auf vorgegebene Arbeitszeiten.
  3. Definiere Strukturen, Prozesse und Ziele deutlich und konkret und schaffe dennoch genug Freiraum für eine individuelle Entfaltung.

Fehler Nr. 5: Den Mitarbeitenden nicht den gesamten Kontext erklären

Führungskräfte sind oft der Überzeugung, dass ihre Mitarbeitenden nicht alles wissen müssen. In Bezug auf Firmeninterna und kompetenzbezogene Aspekte sehe ich dies genauso. Wenn es jedoch um „das große Ganze“ geht, tust du dir als Führungskraft keinen Gefallen damit, wenn du deine Mitarbeitenden nicht einweihst. Je mehr Hintergrundwissen sie besitzen, umso stärker fühlen sich deine Mitarbeitenden in die Firma eingebunden. Sie können sich mit den Werten, Vorgehensweisen und Zielsetzungen besser identifizieren und sind motivierter.

Dies gilt auch für unangenehme Entscheidungen. Es ist ein großer Unterschied, ob du deine Mitarbeitenden davon überzeugen willst, dass der Beschluss der oberen Chefetage „wirklich toll“ ist, obwohl du es selbst nicht glaubst. Oder ob du klar formulierst, dass du die Entscheidung zwar auch nicht gut findest, es als Führungskraft aber deine Aufgabe ist, diese Entscheidungen mitzutragen und gemeinsam umzusetzen.

Beachte daher folgendes:

  1. Formuliere als Führungskraft klare Werte und erkläre die Unternehmensmission.
  2. Lasse deine Mitarbeitenden an so vielen Prozessen wie nötig teilhaben.
  3. Setze Entscheidungen immer wieder in den Gesamtkontext und erkläre, warum so entschieden wurde.

Fazit: So vermeidest du Fehler bei der Mitarbeiterführung

Als Führungskraft besteht die Kunst einer agilen und sicheren Mitarbeiterführung darin, den Mitarbeitenden Orientierung zu geben, einen attraktiven Sinn anzubieten und eine intrinsische Motivation zu wecken. Dies gelingt dir am besten durch eine transparente Kommunikation, smarte Zielvereinbarungen und einen wertschätzenden Umgang. Auch das Schenken eines Vertrauensvorschusses und die klare Vermittlung der größeren Vision können das Arbeitsklima enorm verbessern.

Solltest du dir als Führungskraft noch unsicher sein, dann gibt es keinen Grund zu verzweifeln. Bisher ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und es gibt immer die Möglichkeit, von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen, Mentoren oder Coaches zu lernen. So zum Beispiel auch im Rahmen unseres Praxistrainings „Agil und sicher führen“, welches ich gemeinsam mit der IHK veranstalte. Gemeinsam entdecken wir in verschiedenen Modulen dein Führungspotenzial und machen dich fit für den Führungsalltag.

PS: Ich habe in diesem Artikel punktuell die männliche Schreibweise gewählt. Natürlich beziehen sich meine Aussagen auch auf alle weiblichen und diversen Personen.

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